Fotograf: Kolyo Panamski

„Seine Theaterstücke sind Satiren; seine Provenienz ist die Menschlichkeit. Er ist ausersehen, zumindest die kulturellen und sozialen Grenzen zu verwischen, die Ost und West voneinander trennen. Nach einem Abstecher in den Bereich der Kinderliteratur fand Stratiev letztlich sein Metier. Das römische Bad war Stratievs erster Ausflug in die Welt von Gogol und Mrozek. Wie diese beiden Satiriker begann Stratiev mit einer Prämisse: „Was wäre, wenn man ein antikes Relikt – ein römisches Bad – im Heim eines zeitgenössischen Bulgaren fände? Was wären die Konsequenzen?“ Natürlich sollte das Ergebnis mit Humor betrachtet werden und nicht mit den scharfen Darstellung eines Swift oder der entspannt politischen Haltung eines Mrozek, dafür aber mit einem spritzigen sozial-politischen Biss, bei dem die Gesellschaft und das Individuum die Opfer sind...

Manche Autoren, wie Tschechow, Miller und Chayevsky, haben die Banalitäten des Lebens dramatisiert, andere, wie z. B. Gorky, haben sie glorifiziert und wieder andere, wie Stratiev, haben versucht, die Schale, die eine Vielzahl von zerfallenden sozialen Pfeilern deckt, aufzubrechen.“

Edward J. Czerwinski. Slavic and East European Arts, Vol. 5, No. 1, Summer 1987

„Sein grimmiger, lebendiger Humor qualifiziert ihn als Satiriker, als einen Analytiker zeitgenössischer sozialer Einstellungen, die er sowohl am Beispiel starker als auch schwacher Charaktere aufzeigt. Er genießt paradoxe Situationen, entlarvt erlösende Grundzüge in höchst komplexen oder absurden Strukturen und zeigt vice versa die Absurdität auf, die hinter meist trivialen Situationen lauert... In Stratievs frühen Theaterstücken ist der Protagonist häufig ein junger Mann, der in eine Absurde Situation á la Beckett verstrickt ist. Was auf den ersten Blick klar und eindeutig scheint, entwickelt sich zu einem grotesken Albtraum. Die Unschuld, Zerbrechlichkeit und gefühlvolle Authentizität zerfallen in Hohn und Spott. Das Gelächter der Gesellschaft erweist sich als tödliche Waffe, und wenn der naive Protagonist sich anpassen muss, verliert er seine ursprüngliche individuelle Wahrnehmung und findet unter Umständen Hilfe, indem er zur Un-Person wird, einem bloßen Objekt.“

Nicole Vigouroux – Frey. Theatre Research International, Vol. 25, No. 2, Summer 2000

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