{"id":816,"date":"2020-03-15T13:36:23","date_gmt":"2020-03-15T13:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/?page_id=816"},"modified":"2020-03-15T16:05:02","modified_gmt":"2020-03-15T16:05:02","slug":"der-alte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/?page_id=816","title":{"rendered":"Der Alte"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Alte schlief. In diesen letzten\nHerbsttagen brachen die Sonnenstrahlen um die Mittagszeit durch und w\u00e4rmten\netwas die Luft. Im Park herrschte Stille, nur einige Kinderwagen standen mit\nden Babys der Sonne zugewandt. Auf den mit dichtem Laub bedeckten Alleen kam\nnur selten jemand vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte schlief auf der Bank, in seinen\nausgebleichten Mantel eingeh\u00fcllt, den Spazierstock unter dem Nacken. Er schlief\ntraumlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorbei waren die sch\u00f6nen Tage, lang und warm,\nan denen der Park von morgens bis abends voller Menschen war.<\/p>\n\n\n\n<p>In jenen Tagen stellten sich als erste, noch\nim Morgengrauen, die L\u00e4ufer ein. Allen voran erschien auf den geschotterten\nWegen der Ingenieur, ein f\u00fclliger Endf\u00fcnfziger, der lautstark ein- und\nausatmete. Wenig sp\u00e4ter kamen auch die beiden anderen. Der Alte wusste nicht,\nwer sie sind und was sie arbeiten. Sie waren zwischen vierzig und\nf\u00fcnfundvierzig, schlank, glattrasiert und in Turnhosen. Die drei rannten durch\ndie Alleen, liefen aneinander vorbei, aber weder gr\u00fc\u00dften sie, noch nickten sie\neinander zu, und das beeindruckte den Alten am meisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz darauf eilten die Kleinen auf dem Weg zum\nKindergarten vorbei. Noch den Schlaf in den Augen, trippelten sie, an der Hand\ngezogen, hinter ihren Eltern her.<\/p>\n\n\n\n<p>Von allen Seiten des Parks str\u00f6mte die erste\nSchicht in die nahe gelegene Blechfabrik, meistens Frauen, die Konservenb\u00fcchsen\nstanzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Hund tauchte auf, gro\u00df, schwarz, mit\nklugen gl\u00e4nzenden Augen. Er jagte mit riesigen S\u00e4tzen im Geb\u00fcsch umher,\nverschwand in Richtung des Denkmals in der Mitte des Parks. Der Alte hatte den\nBesitzer des Hundes nie zu Gesicht bekommen, ihn nie pfeifen oder rufen h\u00f6ren.\nEr begriff, dass Herr und Hund einander ,,wortlos\u201c verstanden. Und wenn der\nHund als dunkler Schatten zwischen den B\u00e4umen verschwand, wusste der Alte, dass\nsie gegangen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach drangen auch schon die Sch\u00fcler in den\nPark ein, die zur Schule gingen. In jugendlichem \u00dcbermut jagten sie einander\n\u00fcber den Rasen, warfen ihre Taschen und M\u00fctzen in die Luft und lachten\nlauthals, ohne Grund.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach ihnen zog Stille in den Park ein. Die\nSonne blinzelte zwischen den Bl\u00e4ttern der Kastanien hindurch, noch hoch und\nweit entfernt, Spinnweben gl\u00e4nzten kurz im Sonnenlicht, und die ersten\nSchmetterlinge begannen wie an unsichtbaren F\u00e4den am Himmel zu schweben.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Schmetterlingen folgten die Rentner, um\neinzukaufen, solange es noch keine Schlangen gab und die Gesch\u00e4fte halbleer\nwaren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter stellten sich schon die\nFr\u00fchaufsteherinnen unter den jungen M\u00fcttern ein, richteten ihre Kinderwagen\nnach der Sonne aus, deckten die Babys zu und lie\u00dfen sich auf den B\u00e4nken nieder.\nEin langer Tag im Park, an der Sonne und an frischer Luft lag vor ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast zur gleichen Zeit kamen auch die G\u00e4rtner,\num zu sprengen. Das Gras bog sich unter dem Strahl, unerwartet gr\u00fcn, von den\nZweigen tropfte Wasser, in der Luft gl\u00e4nzten kleine Regenbogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter erschienen auch diejenigen Sch\u00fcler, die\nden Unterricht schw\u00e4nzten. Sie versammelten sich auf einer der verborgenen\nB\u00e4nke, z\u00fcndeten Zigaretten an, und leichter bl\u00e4ulicher Rauch stieg in die klare\nLuft empor.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonne stand schon hoch \u00fcber dem Park, und\nan dem blauen Himmel waren keine Wolken zu sehen, als seine Altersgef\u00e4hrten\neiner nach dem anderen eintrafen. Sie lie\u00dfen sich auf den B\u00e4nken nieder,\n\u00f6ffneten die Morgenzeitungen und vertieften sich in die Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sie die Zeitungen zu Ende gelesen hatten,\nging der Alte zu ihnen. Man begann zu erz\u00e4hlen, lang und ausf\u00fchrlich, jeder\nerinnerte sich an irgendetwas f\u00fcr ihn sehr Wichtiges, und die anderen lauschten\ngeduldig, bis die Reihe an sie kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Themen wechselten. Die Alten sprangen vom\nKrieg zur Gesetzgebung \u00fcber, dann wendeten sie sich der D\u00fcrre zu und sprachen\n\u00fcber irgendein Erdbeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte beteiligte sich nicht an den\nGespr\u00e4chen, er schwieg, zufrieden, dass er unter ihnen war und sie verstand, er\nlachte \u00fcber die Sp\u00e4\u00dfe, h\u00f6rte sich die Streitgespr\u00e4che an und nahm immer Partei,\naber nur schweigsam, f\u00fcr sich; selten mischte er sich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>So kam die Mittagszeit heran, wo die Alten den\nPark verlie\u00dfen, um sich hinzulegen, und die Arbeiterinnen aus der\nBlechdosenfabrik sich auf den B\u00e4nken ausstreckten, um sich \u00fcber ihre\nMittagspause m\u00fcde in der Sonne auszuruhen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen ein und vier Uhr wurde es still im\nPark. Die S\u00e4uglinge schliefen, ein Student bl\u00e4tterte leise in seinen\nLehrb\u00fcchern und machte sich Notizen, die Luft war warm und unbeweglich. Auch\nder Alte nickte ein, den Stock unter den Nacken geschoben, in seinen\nverblichenen Mantel geh\u00fcllt. \u00dcber dem Park lag Ruhe, und der Schatten des\nDenkmals wandelte langsam gen Osten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen f\u00fcnf Uhr kam der W\u00e4chter des Parkes. Sie\nz\u00fcndeten Zigaretten an und unterhielten sich. Der W\u00e4chter sprach und der Alte\nlauschte. Der W\u00e4chter klagte \u00fcber das Leben, \u00fcber seine Gesundheit, \u00fcber die\nJugend, der es an Achtung f\u00fcr alles fehle, \u00fcber seine Frau, die sich st\u00e4ndig\n\u00fcber alles beklage. W\u00e4hrend sie sich unterhielten, trafen auch die Alten erneut\nim Park ein, ausgeruht, mit den Abendzeitungen in den H\u00e4nden. Die Unterhaltung\ndrehte sich um allgemeine Themen, die Frage war, ob es Krieg geben oder nicht\ngeben und ob etwas von dieser Welt \u00fcbrigbleiben oder alles in Tr\u00fcmmern\nuntergehen w\u00fcrde. Die Glocke der Kirche am Ende des Parks ert\u00f6nte, sie schlug\nsechsmal, die Kinderwagen wurden nach Hause geschoben. Die Alten waren in ihren\nGespr\u00e4chen schon wieder bei der Gesundheit angelangt und bei der fragw\u00fcrdigen\nN\u00fctzlichkeit verschiedener Heilb\u00e4der.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie unterhielten sich auch noch, als der Abend\nschon lautlos in den Park einzog, zusammen mit den ersten Liebespaaren. Die\nB\u00e4nke und Alleen leerten sich allm\u00e4hlich, die Alten gingen einer nach dem\nanderen nach Hause, und in immer gr\u00f6\u00dferen Abst\u00e4nden war das Ger\u00e4usch\nvorbeifahrender Stra\u00dfenbahnen zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese Zeit tauchten gew\u00f6hnlich die Jungen\nauf, schleppten zwei B\u00e4nke ins Geb\u00fcsch, und lange noch klangen von dort die\nGitarren und die fremden englischen W\u00f6rter der Lieder her\u00fcber, die der Alte\nnicht verstand. Von Zeit zu Zeit nur fing er die Verzweiflung in einigen von ihnen\noder das Leid auf, und sp\u00fcrte, dass jener, der die Lieder geschrieben hatte,\nauch einsam gewesen sein musste oder die Einsamkeit kannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00fcsse der Verliebten auf den B\u00e4nken wurden\nl\u00e4nger, in den Zweigen \u00fcber dem Alten bereiteten sich die V\u00f6gel auf den Schlaf\nvor und raschelten mit den Fl\u00fcgeln, die Nacht senkte sich auf den Park nieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Als letzte zogen die Betrunkenen durch den\nPark. Sie kamen aus dem nahegelegenen Gasthaus, das gerade seine Pforten\ngeschlossen hatte, sie schwankten mit unsicheren Schritten die Alleen entlang\nund stritten sich. Ihre heiseren Stimmen gingen in der D\u00e4mmerung unter, um in\nder n\u00e4chsten Nacht wieder zu ert\u00f6nen, wo die M\u00e4nner erneut umarmt\neinhertaumelten und aus vollem Halse sangen: \u201eDie H\u00e4hne haben noch nicht\ngekr\u00e4ht, warte, meine Liebe, geh noch nicht fort\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Danach blieb der Park menschenleer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sterne standen klar und hell am Himmel,\nder Alte lag auf der Bank, eingeh\u00fcllt in seinen verblichenen Mantel, und dachte\nnach. Er war noch nicht m\u00fcde und konnte nicht schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er dachte \u00fcber das Leben nach und wie es\nmanchmal verl\u00e4uft, erinnerte sich an verschiedene Dinge, an seine Jugend&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>An die Bankfiliale, in der er sein ganzes Leben\nlang gearbeitet hatte, an die Kollegen, die Buchhalter, an die erste\nGehaltserh\u00f6hung, die ihm der stellvertretende Direktor, Herr Tewekeliew,\npers\u00f6nlich mitgeteilt hatte&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch an die Hochzeit erinnerte er sich, an das\nGesicht von Maria, seiner Frau, hinter dem durchsichtigen Schleier; als sie die\nKirche verlie\u00dfen, stieg pl\u00f6tzlich ein Schwarm Tauben aus den gegen\u00fcberliegenden\nKastanienb\u00e4umen in die H\u00f6he&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Er erinnerte sich an seine erste Liebe, sie\nduftete nach Sauberkeit, nach Quitten, noch immer stand die Laube vor seinen\nAugen, die berauschende Mondnacht, die raschelnden R\u00f6cke des M\u00e4dchens. Wie sehr\ner sie geliebt, wie sehr sie ihn geliebt hatte!<\/p>\n\n\n\n<p>Er erinnerte sich auch an die bl\u00fchenden Zwetschgenb\u00e4ume, unter denen wie in einer wei\u00dfen Wolke sein Vaterhaus versunken war, an die Pferde am Fluss, an die Br\u00fccke, von der sie als Kinder ins Wasser hinuntergesprungen waren. Auch seine Mutter tauchte in seiner Erinnerung auf \u2013 sie knetete Brot, er aber stand am Backofen und schaute in die Glut.<\/p>\n\n\n\n<p>Und er dachte an seine Kinder. Wie er auf das\nerste, den Sohn, vor dem Krankenhaus gewartet hatte, in dem d\u00fcnn gewordenen\nMantel, mit der weichen M\u00fctze, der Schnee bedeckte ihn, und er stampfte mit den\nHalbschuhen. Wie sich der Junge die Wange als Dreij\u00e4hriger verletzt hatte und\nman sie ihm n\u00e4hte. Und wie sie ihm die Uniformjacke und Hosen f\u00fcrs Gymnasium\nkauften, und alles ihm zu gro\u00df war, und dem Jungen die Tr\u00e4nen in den Augen\nstanden. Und sp\u00e4ter, als er Lungenentz\u00fcndung bekam&#8230; Und wie er das Diplom von\nder Universit\u00e4t nach Hause brachte und ihn k\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das M\u00e4dchen, es wurde sechs Jahre nach dem\nJungen geboren, ganz ihre Mutter, mit gro\u00dfen schwarzen Augen, sie sang\nununterbrochen. Er trug sie auf dem R\u00fccken, sie machten Ausfl\u00fcge. Als sie acht\nJahre alt war, wurden sie im Gebirge vom Schneesturm \u00fcberrascht, im Mai, er wusste\nweder aus noch ein, aber ihr war nichts geschehen, nicht einmal Schnupfen bekam\nsie. Sie war in st\u00e4ndiger Bewegung, sang, in der Schule hatten sie alle gern,\nauch an der Universit\u00e4t. Sie heiratete sehr fr\u00fch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kinder waren schon gro\u00df, hatten schon\neigene Kinder und wohnten am anderen Ende der gro\u00dfen Stadt, weit entfernt von\ndem Park. Sicher dachten auch sie jetzt an ihre Kinder, wenn sie zu dieser\nsp\u00e4ten Stunde nicht bereits schliefen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie interessierten sich nicht f\u00fcr ihren Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Frau starb, die Kinder verkauften das\nHaus und begannen ihn sich einander zuzuschieben. Ein halbes Jahr wohnte er bei\ndem einen und ein halbes Jahr bei dem anderen. Er hatte es gut, wenn nur nicht\ndiese Genauigkeit gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie f\u00fchrten ihn einander auf die Sekunde genau\nzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte betete heimlich, dass sie sich einmal\nirren, vergessen oder ihn einen Tag l\u00e4nger bei sich behalten w\u00fcrden, was war\nschon ein Tag&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sie irrten sich nie. Das Jahr war genau\nin zwei H\u00e4lften geteilt, Feier- oder Wochentag, Winter oder Sommer, genau an\ndem festgelegten Tag rief eines seiner Kinder das andere an und erinnerte es\nkurz daran, zu kommen und ihn abzuholen. Und jenes kam sofort.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade diese Genauigkeit hatte den Alten dazu\nbewogen, zu verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte sie belogen, dass er bei einem Freund\nwohnen w\u00fcrde, bei Sinowi Michow, einem alten Kollegen aus der Bank, und sie\nglaubten ihm. Er \u00fcberzeugte sie, dass es so besser f\u00fcr ihn w\u00e4re, dass er sich\neinsam ohne Freund f\u00fchle und dass auch dieser Freund einsam sei. Er hatte sie\neingeladen, sich das Haus anzusehen, und sie hatten sich davon \u00fcberzeugt, dass\ner gut aufgehoben war. Sinowi Michow wohnte allein in einer Vier-Zimmer-Wohnung\nmit Kachel\u00f6fen und alten Wiener M\u00f6beln.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie suchten ihn noch einige Male auf. Sinowi\nMichow erz\u00e4hlte ihnen, dass es ihm gut ginge, dass er nach Pomorje zu den\nSchlammb\u00e4dern gefahren sei. Oder, dass er die Donau entlangfahre, mit dem\nDampfer, bei einer jener Flussreisen, zu denen sich nur alte Leute\nzusammenfinden. Oder auch, dass er irgendwo in der Stadt sei, aber er nicht\nwisse, wann er zur\u00fcckkehren werde, wahrscheinlich h\u00e4tten ihn Gespr\u00e4che\naufgehalten. Beruhigt, dass es ihm gut ginge, glaubten sie es gern und brachen\nwieder auf. Sp\u00e4ter h\u00f6rten sie auf, ihn zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte aber lebte im Park.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tage waren lang und warm, ringsumher wimmelte\nes von Menschen, die Kastanien bl\u00fchten und verbl\u00fchten, bet\u00e4ubende D\u00fcfte\nbreiteten sich im Juli aus. Die N\u00e4chte waren hei\u00df, der Alte legte seinen Stock\nunter den Kopf, er legte ihn quer \u00fcber die Lehne der Bank und die unteren\nBretter, so dass er ihm als Kopfkissen diente, aus dem Geb\u00fcsch erklangen die\nGitarren, und junge Stimmen sangen dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann starb Sinowi Michow, und niemand blieb\nmehr \u00fcbrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte lebte im Park.<\/p>\n\n\n\n<p>Die L\u00e4ufer legten Kilometer um Kilometer\nzur\u00fcck, in der Blechdosenfabrik l\u00e4rmten die Pressen beim Stanzen der\nKonservenb\u00fcchsen, der Hund schoss durch die Zweige wie ein Pfeil.<\/p>\n\n\n\n<p>So verging der Sommer, und es kam der Herbst.\nEr war lang und warm, nur die Tage wurden immer k\u00fcrzer, es d\u00e4mmerte schon fr\u00fch,\nund die Dunkelheit brach schon gegen sechs Uhr durch die Zweige hernieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Altweibersommer ging vor\u00fcber, mit\nseinen hellen und klaren Tagen, er war ein Geschenk Gottes, nur die N\u00e4chte\nwaren kalt und die Alleen wurden von dichtem Laub zugedeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Park kamen immer weniger Menschen, die\nAlten blieben zu Hause, der Student hatte seine Pr\u00fcfungen bestanden und war\nnach Kardschali abgefahren, und niemand sprengte mehr den Rasen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Herbsttagen br\u00e4chen die\nSonnenstrahlen um die Mittagszeit durch und w\u00e4rmten etwas die Luft. Dann\nschlief der Alte, in seinen verblichenen Mantel geh\u00fcllt, den Kopf auf den\nSpazierstock gebettet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter zogen Nebel auf, der Wind blies,\nHerbstregen fiel, und der Park ver\u00f6dete.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte blieb allein.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sa\u00df im Nebel und lauschte dem Regen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald darauf fiel der erste Schnee, der Winter\nkam, im Park war nun niemand mehr au\u00dfer dem Alten, und er flog mit den letzten\nV\u00f6geln nach dem S\u00fcden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Schwarm die letzte Runde \u00fcber der Stadt machte, sah der Alte weit unten auf der Erde den kleinen rostigen Fleck des Parkes.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schnee deckte ihn nach und nach zu. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Alte schlief. In diesen letzten Herbsttagen brachen die Sonnenstrahlen um die Mittagszeit durch und w\u00e4rmten etwas die Luft. Im Park herrschte Stille, nur einige Kinderwagen standen mit den Babys der Sonne zugewandt. Auf den mit dichtem Laub bedeckten Alleen kam nur selten jemand vorbei. Der Alte schlief auf der Bank, in seinen ausgebleichten Mantel &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/?page_id=816\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Der Alte&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":225,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-816","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=816"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":828,"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/816\/revisions\/828"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stanislavstratiev.org\/library\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}